Traumwelt – Das Problem (Teil 1)

Tatsächlich wurde es langsam Zeit, eine Entscheidung bezüglich meines Studiums zu treffen. Die Anmeldefrist rückte näher und näher.
Doch gerade dieser Druck dahinter löste in mir ein total kirres Gefühl aus. Ich fühlte einen völlig verquirlten Zwispalt in mir, jedes mal wenn ich darüber nachdachte. Ein echt panisches Gefühl. So ein Mist!
Woher sollte man den bloß wissen, wie man in zehn Jahren über eine Entscheidung denkt? Es machte mich einfach völlig verrückt.
Langsam hatte ich keine Lust mehr, weiter an meinem Lebensplan zu arbeiten. So kam ich sowieso nicht mehr weiter. Ich benötigte ganz dringend Abwechslung und tiefreichende Gespräche mit meiner Freundin Sharon. Oder ich zog mich mal ganz schnell in mein Schneckenhaus zurück, vielleicht fiel die Lösung ja irgendwann vom Himmel?! Nein, das würde natürlich nicht passieren.

Also rief ich Sharon an, nicht nur, um mit ihr über meine Probleme zu diskutieren, sondern auch, weil sowieso noch die Wochenendplanung anstand. Ich musste ganz dringend etwas unternehmen und aus meiner Eigenbrödlerstimmung heraus kommen.
„Hey Süße, na wie geht’s?“ fragte ich, als Sharon den Hörer abnimmt. „Sehr gut! Ich habe uns beiden nämlich gerade eine Einladung zur Eröffnungsparty des neuen Clubs ‚Fantasy‘ ergattert. Einlass nur mit feiner Abendkleidung. Klingt doch aufregend, oder? Also morgen heißt es  feiern! Was sagst du dazu?“ „Was ich dazu sage? Na Partyyyy natürlich! Das hört sich richtig gut und gehoben an. Bin echt gespannt, wen man alles dort antrifft!“ antwortete ich. „Ich auch, ich auch. Hoffentlich nicht Marc! Dem möchte ich zur Zeit einfach nicht über den Weg laufen. Allerdings ist das eigentlich sowieso nicht sein Metier.“ grübelte Sharon. Marc war sozusagen Sharons Affaire. Erst sollte es eine rein sexuelle Beziehung sein. Dann entwickelte Marc Gefühle für Sharon, doch Sharon erwiderte sie nicht. Also suchte sich Marc eine andere, schlief mit ihr und brachte Sharon damit in eine zwiegespaltene Lage. Einerseits war sie extrem sauer und eifersüchtig, andererseits hatte sie eigentlich kein Recht, sauer zu sein. Sie hatte schließlich Marc abgewiesen und sie war auch nicht mit ihm zusammen. Aber im Moment konnte sie ihm einfach nicht gegenüber treten. Mittlerweile hatten sich nämlich auch bei  Sharon Gefühle entwickelt. Da schießen mir sogleich die  Sprichwörter „Man möchte immer das, dass man nicht haben kann!“ oder „Auf der anderen Seite ist das Gras viel grüner!“ durch den Kopf. So gesehen steckt in diesen Aussagen viel Wahrheit drin.
Vielleicht ist dies auch mein Problem mit den Männern?! Vielleicht, vielleicht auch nicht. Ich weiß es nicht. Resigniert schüttle ich den Kopf.

„Süße, bist du noch dran?“ reist mich Sharon aus meinen Gedanken. „Äh, oh ja! Entschuldige, bin gerade in meine Gedanken versunken. Kennst mich ja!“ „Jaja.“ Schmunzelte Sharon, „Kathi und ihre Träume! Ich sagte gerade, dass wir morgen hoffentlich ein paar süße Männer treffen. Ich könnte dringend Ablenkung von Marc gebrauchen. Irgendwie wäre es gut, wenn ich ein wenig objektiver an diese ganze Situation heran gehen könnte. Aber dafür brauch ich einfach einen gewissen Ausgleich! Eigentlich fände ich es schon schön, wenn sich zwischen mir und Marc mehr entwickeln würde!“. Das fand ich auch. Marc und Sharon passten wirklich gut zueinander. Beide sehr stolz und unabhängig. Bloß nicht zu viele Gefühle zeigen. Ich grinste vor mich hin. Aber beide waren auch sehr abenteuerlustig, gingen gerne aus und konnten gut mit Menschen. Leider stand ihnen ihr Stolz etwas im Weg. Doch ich kannte Sharon gut genug, um zu wissen, dass sie das hin bekam. Sie wusste eben immer, was sie wollte. Ganz im Gegensatz zu mir. Ein leiser Seufzer entfuhr mir. „Sag mal, was ist denn mit dir los? Ständig seufzt du und bist gar nicht richtig bei der Sache. Hast du irgendein Problem?“ fragte Sharon besorgt. „Naja, ein richtiges Problem eigentlich nicht. Ich weiß nur einfach nicht, wie es mit meiner beruflichen Zukunft weiter gehen soll. Wenn ich mein Studium für Psychologie abbreche, dann bin ich noch ziemlich lange finanziell abhängig und kann mir eine eigene Wohnung abschminken. Aber ich habe das Gefühl, dass dies genau das Richtige wäre. Andererseits fühle ich mich zur Zeit im Wirtschaftsingenieurwesen echt fehl am Platz! Und genauso geht es mir ständig mit den Männern! Wie schaffst du es nur, immer genau zu wissen, was du willst? Ich wünschte, ich wäre auch so zielstrebig.“ Traurig seufze ich auf. „Ach komm, wenn du nicht zielstrebig bist, weiß ich auch nicht. So wie du bisher dein Studium durchgezogen hast?  Hör zu! Ich bin mir absolut sicher, dass du die richtige Entscheidung treffen wirst. Und wenn es hinter her nicht 100% perfekt ist, ist es auch nicht schlimm. Dann entscheidest du dich eben wieder um.“ Versuchte sie mich zu beruhigen. Und irgendwie hatte sie damit Erfolg. Sie hatte ja nicht unrecht. Nicht immer muss man B sagen, nur weil man sich vorher für A entschieden hatte.  „Danke Sharon. Du hast Recht! Es tut immer wieder gut, mit dir zu sprechen. Nach einem Gespräch mit dir, seh ich immer viel klarer! Bist ein Schatz!“ „Ich weiß!“ antwortete sie und wir fingen beide an zu lachen.

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